Der Friedfertige Landbau
Die Landwirtschaft der Zukunft?
Auf einem Teelöffel gesunden Ackerboden leben normalerweise mehr Organismen, als Menschen auf der Erde. Doch gilt dies für die meisten Böden unserer »Kulturlandschaft« nicht mehr. Wo früher auf einem Quadratmeter Ackerboden 100 Regenwürmer lebten, gibt es heute höchstens 2-3. Die Böden sind leblos geworden, fast tot. Übergroße Regenfälle können nicht mehr ausreichend versickern - das Wasser sammelt sich auf der Oberfläche und speist die großen Flüsse - den Rest kennt man aus dem Fernsehen oder aus eigenem Erleben.
Lässt sich die Uhr zurückdrehen? Sicher nicht. Doch muss sich in allen Lebensbereichen radikal etwas verändern – vor allem in der Landwirtschaft.
Mehr als »Öko«
Eine Alternative, die sich bewährt hat und Schule machen könnte, ist der Friedfertige Landbau, eine Anbauform, die einige wenige Landwirte im Spessart seit mehr als 20 Jahren mit Erfolg praktizieren und die über die Richtlinien der Öko-Landwirtschaft weit hinaus geht. Was sind die Besonderheiten dieser Anbauweise, und weshalb heißt sie »friedfertig«?
»Die goldene Regel des Jesus von Nazareth ‘Was Du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu’, ist für uns keine Theorie, die wir uns für den Sonntag aufsparen«, erklärt einer der Landwirte. »Dieser Grundsatz gilt für uns nicht nur für unsere Mitmenschen, sondern auch für die Natur und die Tiere.« So kennt der Friedfertige Landbau keine Nutztierhaltung, da den Tieren dasselbe Lebensrecht zugesprochen wird, wie den Menschen auch.
»Auch die Felder sind für uns keine tote Materie.«, erklärt der Landwirt. »Wir zwingen die Pflanzen nicht zum Wachstum, so wie wir Menschen nicht gerne zu etwas gezwungen werden. Das heißt, wir verwenden keinen Kunstdünger, keinen Klärschlamm und auch keine Gülle - wie sie in der herkömmlichen Öko-Landwirtschaft üblich sind -, um den Ertrag zu steigern. Wir stärken die Pflanzen mit Kleie oder Steinmehlen, doch sie dürfen so schnell oder so groß wachsen, wie es ihrer natürlichen Art entspricht.« Selbstverständlich kennt der Friedfertige Landbau auch keine Pestizide, Fungizide oder Herbizide. »Sogenannte Unkräuter gibt es für uns nicht. Jedes Kraut hat seinen Platz und seine Berechtigung. Es gibt Kräuter, die der Kulturpflanze dienen, ihr Schatten spenden oder eine besondere Aufgabe im Boden haben, wie z.B. die Distel für die Durchwurzelung der tiefen Bodenschichten. Gerade diese Durchwurzelung des Bodens ist zum Beispiel wichtig für die Wasseraufnahme. «
Dreifelderwirtschaft
Eine weitere Besonderheit im Friedfertigen Landbau ist, dass wieder die traditionelle Dreifelderwirtschaft gepflegt wird: »So wie wir Menschen nach einer anstrengenden Arbeitsphase eine Pause machen, so gönnen wir auch den Feldern nach zwei Jahren Bepflanzung ein Jahr Ruhe.« In diesem Ruhejahr kann sich das Erdreich regenerieren, die Kleinstlebewesen, die Regenwürmer, Insekten und Mikroorganismen werden aktiv und bereiten den Boden auf für eine neue Wachstumsphase. Das Erdreich wird in dieser Zeit durch Klee und andere Pflanzen optimal durchwurzelt und gelockert.
Gesunder Boden als oberstes Ziel
Wer in unserer Zeit eine solche Anbauform praktiziert, wird in der Regel als Spinner belächelt - wer verzichtet schon freiwillig auf ein Drittel der Ernte? Für Landwirte im friedfertigen Landbau ist die Gesunderhaltung des Bodens und der behutsame Umgang mit allem, was lebt, das oberste Ziel. Und sie haben erfahren, dass die Beachtung dieser Naturgesetze nicht in den wirtschaftlichen Ruin, sondern in eine bessere, gesündere Zukunft führt: Die Böden atmen auf. Sie tragen unzählige Kleinstlebewesen und Mikroorganismen, die für einen lebendigen Austausch zwischen den natürlichen Bodenmineralien und der Pflanze sorgen und das Erdreich locker und krümelig halten. Regenwasser sickert leicht ein. Der Boden kann viel Wasser aufnehmen und auch für längere Trockenperioden speichern. Auch wird durch diese Landwirtschaft ohne Chemie und ohne Mist und Gülle das Grundwasser geschont. Weder chemische Rückstände, noch die Antibiotika-Rückstände aus der Tierindustrie, die mit der Gülle in die Böden gelangen, belasten das Grundwasser.
Auch Wildtiere fühlen sich wohl
»Die einzigartige Qualität der Früchte wiegt die geringere Erntemenge bei weitem auf«, sagt der Landwirt. Und: Auf den Feldern, die in Friedfertigem Landbau bewirtschaftet werden, siedeln sich auch wieder Wildtiere an, die ebenso wie wir Menschen nach gesunder Nahrung suchen. Sie fühlen sich in den Feldern, in denen neben Roggen oder Weizen immer auch viele verschiedene Blumen und Kräuter wachsen, sichtlich wohl. Nimmt ein Tier sich etwas von den Feldfrüchten, ist das für die Landwirte im Friedfertigen Landbau kein Schaden, sondern eine Ehre.
Die Ernte: Damit die Wildtiere keinen »Ernteschock« erleiden, und von einem Tag auf den anderen auf kahlen, abgeräumten Feldern stehen, lassen sie an vielen Stellen Getreide für die Tiere stehen.
Der Friedfertige Landbau - ein Zukunftsmodell? Gesunden Lebensraum für die nächsten Generationen zu schaffen, und den Raubbau an der Natur zu beenden, das ist ein Ziel dieser Anbauweise. Wie sie sich weiter ausweiten wird, das kann der Verbraucher letztlich durch seinen Einkauf mitentscheiden.
Hochwertige Lebensmittel aus diesem Friedfertigen Landbau erhält man an allen Verkaufsstellen von Lebe Gesund und Gut zum Leben und über den Lebe Gesund Versand.
Siehe auch: www.gabriele-stiftung.de (hier klicken)
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